testament

In Romeos Tasche gefunden: Ein Testament (siehe auch: http://pedestrianrepublic.org)
Noch während des Abtransportes zog der Sanitäter ein zerknittertes Blatt aus der Hosentasche von Romeo. Nach dem ersten Satz war klar, worum es ging. Das Schreiben handelte von letzten Gedanken; es war ein flüchtig hingeschriebenes Testament.
Niemals, nicht einen Augenblick konnte ich frei atmen. Immer gab es diesen Druck auf mich. Was ich auch tat, es führte zur Erniedrigung. Jede noch so gut gemeinte Absicht, verlief im Sande. Das führte dazu, dass ich von einer Niederlage zur nächsten voranschritt. Mein Leben ist ein Gefängnis, aus dem ich nicht ausbrechen kann. Ich bin gefesselt. Von den Dingen um mich herum. In einem buchstäblichen und übertragenen Sinne. Meine Existenz liegt in Ketten, wenn ich einmal ein altes, bekanntes Wort dafür benutze.
Die Dinge um mich herum fesseln mich also in einem doppelten Sinne. Die Attraktivität der schön blinkenden Welt ist nicht zu leugnen. Ich schaue hin und benutze mein Smartphone, meinen Computer und andere technische Geräte. Aber sobald ich das tue, werde ich davon ganz beansprucht. Die Dinge lassen mich nicht los wie die Luft, die ich einatme. Ich versuche ständig meinen Atem, meinen Schritt zu kontrollieren, mache regelmäßig Übungen, in denen ich mich auf innere Vorgänge konzentriere. Ich lausche ins Nichts. Nach meiner Rückkehr aber bin ich mit der gleichen unerträglichen Welt, um mich herum konfrontiert. Vergebens, wenn ich mich dagegen auflehne und schreie. Denn wer versteht mich oder würde mich hören? Niemand. Ich bin allein. Und ich weiß, dass alle anderen mehr oder weniger glücklich sind, weil sie die Dinge geschehen lassen.
Mich ekelt es vor dieser Welt, deren Oberfläche Zufriedenheit herstellt. Wie sollte ich mich damit abfinden, nur gut zu funktionieren oder Geld zu machen? Warum das alles und wo führt es mich hin? So frage ich mich und stelle fest, dass ich keinen Platz in dieser Welt habe. Alles scheint vorherbestimmt. Geregelt. Wo könnte ich sein, wenn ich der wäre, der sein Recht auf ein eigenes Leben beansprucht? Ich frage mich, nach dem Warum. Das ist altmodisch, ich weiß. Zu welchem Ziel ist die Funktionsmaschine, sprich mein bereits verplantes Leben, denn gut? Ist mein Drang nach unbedingter Freiheit noch zeitgemäß? Verliefe nicht vieles Einfacher in meinem Leben, wenn ich mich anpassen würde? Alle anderen tun das doch auch. Ich möchte mich in einem anderen Zustand versetzen. Es wäre doch schön, zu glauben, dass ich kein moderner Sklave sei. Ich will mich verlieben. Es gibt eine Sehnsucht in mir. Sie ist der Wunsch nach Erfüllung. Deshalb habe ich ein Benutzerprofil angelegt und mir den Namen Romeo gegeben. Ich bin auf der Suche nach Julia. Es muss sie doch geben. Denn ich bin unvollständig. Nur die Liebe ist ganz und gar lebendig. Ich möchte sagen: Loveworking. Und ich glaube daran, dass ich fündig werde. Die physikalische und die mentale Liebe gehören zusammen. Sie sind eins. Die Liebe ist eine große Erfüllungsgehilfin. Ich will die Welt mit den Augen von jemanden anderen erleben. Mein Benutzerprofil ist mehr als eine Bewerbung, es ist der verrückte Wunsch, dort draußen möge es Julia wirklich geben. Kann ich mich verlieben? Ist das noch möglich? Diesen Fragen habe ich mich gestellt. Aber ich will kein Antworten, sondern erwarte nur, dass es Dich gibt. Dass ich nicht allein auf dieser Welt bin. Dieses Trugbild projiziere ich Julia. Liebe ist ein Tanker. Er spendet Energie, die ich brauche, denn ich will diese Welt mitgestalten. Ich bin ein Teil dieser Welt. Nichts werde ich unversucht lassen, um nicht doch noch einen Ausweg zu finden. Vielleicht kann es jemand anderes für mich tun. Wir sind doch alle ersetzbar. Nicht aber unser Drang, für die Zeitspanne des Lebens frei zu sein. Ich schreibe diese Zeilen, weil ich ahne, dass meine Liebe nicht erwidert werden wird. Zu groß und zu vermessen ist mein Anspruch, denn er geht über alles hinaus, was menschenmöglich ist. Ich will mich nicht fügen, niemals. Ich weiß, dass jemand anderes an meine Stelle rücken wird. Deshalb ist nicht alles vergebens.

Found in his pocket; a testament.
As his body was being taken away, the paramedic pulled a crumpled up piece of paper out of Romeo’s pocket. It was clear after the first sentence what this was about. It was a letter of Romeo’s lasts thoughts, a hastily written final testament.
Never, not for one moment was I able to breath freely. There was always a pressure on me. Whatever I did, it ended up in humiliation. Every good intention came to nothing. I moved from defeat to defeat. My life is a prison that I can’t escape from. I’m shackled and chained down by the things that surround me. Literally and figuratively. To use an old, well-known phrase; my life is in chains.
The things around me shackle me in two senses. I cannot deny the attractiveness of this beautiful blinking world. I look at it and I use my smartphone, my computer and other technological devices. But as soon as I start to do so, I get completely taken over. These things don’t just let go like the air that I breath does. I keep trying to control my breath, my steps. I do regular exercises in which I try to concentrate on my internal processes. I’m eavesdropping into nothingness. But after my return I am confronted with the same unbearable world that surrounds me. When I try to resist and scream, it is in vain. Because really, who would understand me, who would hear me? Nobody. I’m alone. And I know that everyone else is more or less happy, because they let these things happen.
This world disgusts me, this world whose superficial surface manufactures a sense of satisfaction. How am I supposed to be satisfied with just functioning properly and making money? What’s the point in all of it and where does it take me? I ask myself this and realise that I have no place in this world. Everything seems to be predetermined. Regulated. Where could I be if I was someone who demanded a right to their own life? I ask myself why. It’s old fashioned, I know. What is the goal of this functional machine – that is to say, what is my predetermined pre-planned life good for? Is my urge for unconditional freedom still relevant? Wouldn’t everything be so much simpler if I could just adapt myself? Everyone else does. I want to be able to be in different mental state. It would be nice to believe that I’m not a modern slave. I want to fall in love. There is a yearning in me. It is the desire for fulfilment. That’s why I set up a profile with the name Romeo. I’m looking for Julia. She must be somewhere. I am incomplete. Only love is completely and utterly alive. I like to say “loveworking”. I believe I will find it. Physical love and mental love belong together. They are one. Love is a huge fulfiller. I want to experience the world through the eyes of another. My profile is more than an ad; it ‘s an insane wish. Somewhere out there, Julia could really exist. Could I even fall in love? Is it still possible? These are the questions that I ask myself. But I don’t want answers, I’m just waiting to see that you exist. That I’m not alone in this world. I project this fantasy onto Julia. Love is a tanker. It supplies the energy that I need, because I also want to take part in shaping this world. I’m a part of this world. I’m not going to leave anything untried, to in the end just find an escape. Maybe someone else can do it for me. We’re all replaceable after all. But our drive to be free for the full span of our lives, that isn’t. I’m writing this because I sense that my love will never be returned. My demand is too large, it is disproportionate and unrealistic, it goes beyond everything that is possible for people. I don’t want to comply. Never. I know that someone else will take my place. So it wasn’t all in vain.

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